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  • Erwartungshorizonte und Zukunftsvorstellungen

Weimarer Kontroversen 2019


»In jedem Schiebefenster ein Stück Zukunftsstaat«?

Erwartungshorizonte und Zukunftsvorstellungen in 100 Jahren Bauhaus


Der Philosoph der Utopie Ernst Bloch hatte ein ambivalentes Verhältnis zum historischen Bauhaus, das mit dem programmatischen Anspruch auf Zukunft ins Leben trat. Blochs Kritik an »Stahlmöbeln, Betonkuben, Flachdachwesen« und an der Überschätzung des »Technisch-Neutralen« im Neuen Bauen, wie er sie pointiert 1935 formulierte (s. Ernst Bloch, Erbschaft dieser Zeit, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 1962) ist nach wie vor virulent, stehen wir doch gerade im Jahr des Jubiläums vor der Frage, wie die Erwartungshorizonte und Zukunftsvorstellungen in 100 Jahren Bauhaus einzuschätzen sind.

Gegenwärtig scheint, wie der Soziologe Zygmunt Baumann unlängst in Retrotopia (2017) ausführte, jede Zukunft, auch die des Bauhauses, vergangen. Dabei stehen wir in einer herausfordernden Schwellensituation, in der die Moderne neu definiert werden muss. Aufbrüche wie das Bauhaus sind neu zu befragen. Die historisch-kritische Aneignung, die 2016 begann, soll im Jahr des Jubiläums Wege aufzeigen, wie dieses Erbe mit Nüchternheit und Wagemut für eine bewusste Gestaltung einer sozialen, umweltgerechten und demokratischen Zukunft produktiv gewendet werden kann. Das Bauhaus benötigt einen Platz in der Geschichte unserer Zukunft!

Auf der zweitägigen Konferenz sollen historische wie aktuelle Utopien auf ihre Bedeutung hin kontrovers befragt werden. Die Betrachtung vergangener Zukünfte wird verschränkt mit der Diskussion um gegenwärtige Utopien, die sich aus aktuellen kulturellen und sozialen Kontexten ergeben. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen deswegen Erwartungshorizonte und Erfahrungsräume, Wunschräume und zeitliche Handlungskorridore, die mit Blick auf 100-Jahre-Bauhaus die Bedeutung von utopischen Entwürfen in unserer Gegenwart neu denken.

Die Veranstaltung am 20.-22. November 2019 wird aus einer Keynote-Lecture am Abend des 20. November, einem Vortragsprogramm am 21. November und aus einem Diskussionsformat (Impulsbeiträge, danach Diskussion) am 22. November 2019 bestehen. Am 21. November 2019 findet anschließend an das Konferenzprogramm die Präsentation der Installation »ZENICA TRILOGIE« von Danica Dakic im Bauhaus Museum Weimar statt.

Aufgrund der beschränkten Platzkapazitäten bitten wir um Anmeldung bis zum 31. Oktober 2019 unter: weimarer-kontroversen@web.de

Zum PDF-Programm


Veranstaltungsprogramm 20.-22. November 2019


20. November 2019, 19:00 – 20:30 Abendvortrag
Ort: Bauhaus-Museum, Projektraum A (UG)

Begrüßung 
Dr. Ulrike Lorenz (Präsidentin Klassik Stiftung Weimar) und Prof. Dr. Winfried Speitkamp (Präsident Bauhaus-Universität Weimar)

Keynote:
Prof. em. Dr. Lucian Hölscher (Ruhr-Universität Bochum)
Utopie und Enttäuschung. 100 Jahre Bauhaus


21. November 2019, 10 – 18 Uhr Symposium: Zukunft / Bauhaus. Zukunftserwartungen und Erwartungshorizonte in 100 Jahren Bauhaus

Ort: congress centrum neue weimarhalle, Flügelsaal 1

10:00
Dr. Oliver Sukrow (Technische Universität Wien)
Begrüßung / Einführung. Zukunftserwartungen und Erwartungshorizonte in 100 Jahren Bauhaus


I. UTOPIE / ZEITVORSTELLUNGEN

10:15 – 11:00 
Prof. Dr. Kai Buchholz (Hochschule Darmstadt)
Lebensreform und Moderne – Alternativen zur technischen Zivilisation

11:00 – 11:45
PD Dr. Rüdiger Graf (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)
Als die Utopie an die Wirklichkeit heranrückte. Antizipationen der Zukunft in der Weimarer Republik

11:45 – 12:30
Dr. Fernando Esposito (Universität Konstanz)
Fiat futura fascista. Worin sich Asmara und Weimar unterscheiden

12:30 – 13:00
Diskussion

13:00 – 14:00
Mittagspause

II. UTOPIE / RAUMGESTALTUNGEN / UTOPISCHE RÄUME

14:00 – 14:45
Prof. Dr. Deborah Ascher Barnstone (University of Technology Sydney)
The Colour of Utopia: Colour in 1920s German Avant-garde Architecture

14:45 – 15:30
Prof. Dr. Anja Baumhoff (Hochschule Hannover)
Der »Neue Mann« und das Staatliche Bauhaus Weimar. Geschlechterkonzeptionen und ihr Bezug zur Geschichte der Moderne

15:30 – 16:00
Kaffeepause

16:00 – 16:45
Dr. Sonja Dümpelmann (University of Pennsylvania)
In der Luft und am Boden: Sichtwechsel in Stadt und Landschaft der Moderne

16:45 – 17:30 Uhr
Prof. Dr. Joaquin Medina Warmburg (Karlsruher Institut für Technologie)
Umwelt und Moderne: Tomás Maldonados Bauhauskritik als Wendepunkt zum »environmental design«

17:30 – 18:00
Rückfragen/Diskussion

Bitte beachten: Ortswechsel

Ort: Bauhaus-Museum Weimar, Projektraum A (UG):

19:00 Eröffnung der Installation »ZENICA  TRILOGIE« von Prof. Danica Dakić (Bauhaus-Universität Weimar)
Einführung: Dr. Ulrike Bestgen (Klassik Stiftung Weimar, Fachbereichsleiterin Bauhaus, Moderne und Gegenwart)

Moderation: Dr. Ulrike Bestgen (Weimar), Dr. Thomas Flierl (Berlin), Dr. Oliver Sukrow
 (Wien)


22. November 2019, 10 – 16 Uhr Bauhaus-Dialoge: Historische Avantgarden und zeitgenössische Praxen

Ort: congress centrum neue weimarhalle, Flügelsaal 1

10:00 – 11:00
Prof. Dr. Christoph Stölzl (Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar) im Gespräch mit Bettina Wagner-Bergelt (Tanztheater Wuppertal Pina Bausch) und Dr. Andreas Schwab (Palma3, Bern)
Utopien auf der Bühne: Avantgarde-Musik, Theater und Tanz

11:00 – 12:00
Dr. Eckhart Gillen (Berlin) im Gespräch mit Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken (Kunsthochschule Kassel) und Dr. Franziska Stöhr (München)
Potentiale utopischer Kunst: Historische Avantgarden vs. heutige künstlerische Utopien

12:00 – 13:00
Mittagspause

13:00 – 14:00
Dr. Gabriele Zipf (Futurium gGmbH, Berlin) im Gespräch mit Prof. Aart van Bezooijen (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle / Material Stories, Hamburg)
Arbeits- und Lebenswelten der Zukunft. Vermittlung und Präsentation

14:00 – 15:00
Dr. Franz Mauelshagen (IASS Potsdam)
Klio trifft Gaia – Zukunftshorizonte im Anthropozän

Im Anschluss Gespräch mit Tomás Saraceno (Berlin)

15:00 – 16:00
Rückfragen / Diskussionen

16:00
Ende der Veranstaltung

Moderation: Nicolas Flessa, M.A. (Berlin)

Weimarer Kontroversen

Eine Veranstaltung der Klassik Stiftung Weimar, Bauhaus-Museum Weimar, und des Bauhaus-Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur und Planung an der Bauhaus-Universität Weimar
Gefördert von der Staatskanzlei Thüringen

Verantwortlich für das Programm 2019:
Dr. Oliver Sukrow, Wien/Mannheim

Dr. Ulrike Bestgen, Weimar

in Abstimmung mit:
Prof. Dr. Wolfgang Holler, Weimar

Prof. Dr. Max Welch Guerra, Weimar

Dr. Thomas Flierl, Berlin

Organisation:
Franka Günther, Dr. Oliver Sukrow

Stand: 12.10.2019